Zeige ich meine Bilder werde ich öfters gefragt wie ich meine Motive finde. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Ich gehe mit offenem Blick und betr-achte meine Umwelt. Bilder oder besser Motive gibt es überall und wir begegnen ihnen jederzeit. Leider nehmen wir uns vielfach nicht die Zeit unseren Blick zu öffnen, sondern sind mit anderen Dingen beschäftigt; sei es als wandelnde "Telefonzelle", in Gedanken an den nächsten Termin oder  mit dem letzten Familientreffen. Unsere Achtsamkeit ist abgelenkt vom Hier-und-Jetzt. Versuchen wir jedoch uns auf den Augenblick zu fokussieren, dann entdecken wir unsere Umwelt. Dabei ist es einerlei ob wir die Bilder, die wir dann sehen gleich verdigitalisieren. Auch hier, nicht jedes Motiv muss gleich aufgenommen werden, es reicht vielfach es einfach zu verinnerlichen. Hierdurch schulen wir unseren Blick und sehen! Viel Spass.

Die hier gezeigten drei Fotos habe ich während eines Spaziergangs aufgenommen.

 

 

 

Alle Fotos wurden im RAW-Format aufgenommen, mit Darktable entwickelt und in GIMP (Ausschnitt, Helligkeit und Kontrast angepasst, USM, entsättigt bis auf die bildbestimmende Farbe) bearbeitet.

Riegel: 140 mm (KB), 1/50, f/6.3, ISO200

Säge: 120 mm (KB), 1/250, f/54.5, ISO200

Tür: 240 mm (KB), 1/320, f/5.6, ISO500

Blicken wir in die Welt, dann sehen wir farbig. Im Laufe der Zeit haben wir uns daran gewöhnt, dass Dinge spezifische Farben haben: Gras ist grün, der Himmel blau, Blut rot, Elefanten grau. Es gibt sogar Dinge, die nach ihrer Farbe benannt sind: Orangen, Rotkehlchen. Wir nutzen Farben als Synonyme z.B. rot werden wie eine Tomate und in der politischen Landschaft werden Parteien farblich klassifiziert. Es gibt noch vielfältige Beispiele, die genannt werden könnten, ich möchte hier jedoch ein klein wenig auf die Wirkung von Farben eingehen.

Die Anfänge der Fotografie waren eher „farblos“, da die ersten Bilder überwiegend schwarz-weis waren. Es wurde jedoch versucht durch nachträgliches kolorieren Farbe in die Aufnahmen zu bringen. Heute sind Farb-Fotografien Standard und überall zu finden, aber durch die Digitalisierung ist es sehr einfach die Farben zu verändern, mit den Farben zu spielen. Ein Genre, dass immer noch sehr viele Anhänger hat ist die Schwarz-Weiss-Fotografie, bei der im Gegensatz zu den Anfängen die Farbe in den Bildern nachträglich reduziert wird – die Bilder werden „entsättigt“. Eine andere Möglichkeit ist Farben zu tauschen oder zu kombinieren. Da es sehr viele Möglichkeiten gibt Farben in Fotos zu verändern, möchte ich hier nicht auf Details eingehen sondern lieber ein Beispiel zeigen. Jeder kann für sich selbst sehen wie die farblichen Veränderungen wirken.

 

Beim ersten Foto wurden alle Farben bis auf Blau entsättigt. Dadurch wird das Tau auf dem Steg hervor gehoben, fällt deutlicher in Auge. Das etwas bläuliche Wasser dagegen tritt eher in den Hintergrund und das Fehlen der anderen Farben wird schon fast „übersehen“.

 

Das zweite Foto wurde farblich einfach nur invertiert. Jetzt wird das Bild durch die verbliebenen Farben dominiert – Tau und Wasser fallen sehr deutlich ins Auge. Dazu kommt, dass die Schatten jetzt hell sind und etwas farbig, was im vorherigen Foto nicht auffiel.

 

Im dritten Foto sind die beiden vorherigen Bilder kombiniert worden. Die Farben wurden über lagert. Als Betrachter stutzt man erst einmal, da die Farben nicht „passen“ und alles neu sortiert, eingeordnet werden muss. Genau darum geht es schlussendlich, zum Innehalten und nachdenken zu animieren.

Die ist nur ein kleines Beispiel und ich hoffe, dass es anregt sich auch andere Bilder anzusehen, auf die Farben zu achten um festzustellen, ob es sich um eine gezielte Veränderung handelt um den Betrachter zu „manipulieren“.

Als RAW aufgenommen wurden das Foto in Darktable entwickelt und mit GIMP (Anpassung von Helligkeit und Kontrast, Entsättigung bis auf Blau, invertiert und kombiniert) weiter verarbeitet.

Tau: 300 mm (KB), 1/320, f/5.6, ISO200

Die Endlichkeit von allem wird uns immer wieder auf vielfältige Weise gezeigt. Vielleicht nicht ganz so oft entscheiden wir, ob etwas sein Brauchbarkeitsende erreicht hat unabhängig davon, ob dies real zutrifft oder nicht. Subjektive Entscheidungen, sicherlich, generieren aber auch öfters mehr oder weniger fruchtbare/-lose Diskussionen um Themen wie Müllvermeidung, Wegwerfgesellschaft, Recycling oder Naturschutz, gerade dann wenn „in die Umwelt entsorgt“ wurde.

Diese Fahrräder wurden – soweit ich es beurteilen kann – in ein Gewässer „entsorgt“ und dann wieder „gerettet“ um am Uferrand ihr Dasein zu fristen. Vielleicht soll(t)en sie auch später gesammelt und ordnungsgemäss – was immer das heissen mag – entsorgt werden.

                

Unabhängig davon, ob wir den Verfall sehen wollen oder nicht, haben Bilder des Verfalls ihren eigenen Reiz und ziehen den Betrachter immer wieder an. Für sich alleine zeigt jedes der vier Fotos die Vergänglichkeit, durch die Reduzierung auf Schwarz-Weiss (Rot-Töne ausgenommen) tritt noch eine Verstärkung. Durch die Kombination in einer Collage wird dieser Eindruck noch gesteigert, so dass zusätzlich zum Morbiden eine gewisse Harmonie entsteht. Beides zusammen – auch als Gegensatz – wirkt anziehend auf den Betrachter.

Als RAW aufgenommen wurden alle Fotos in Darktable entwickelt und mit GIMP (Anpassung von Helligkeit und Kontrast, Entsättigung bis auf Rot, USM) weiter verarbeitet. Die Collage wurde mit LibreOffice Impress erstellt und direkt als JPEG gespeichert.

Fahrrad-1: 200 mm (KB), 1/250, f/5.5, ISO1600

Fahrrad-2: 180 mm (KB), 1/200, f/5.3, ISO1250

Fahrrad-3: 300 mm (KB), 1/320, f/5.6, ISO2000

Fahrrad-4: 300 mm (KB), 1/320, f/5.6, ISO2000

Winter bedeutet in unseren Breitengraden nicht immer Kälte, Schnee und Eis. Vielfach ist es einfach nur trübe und nass. Klettern die Temperaturen für einige Tage dann doch unter den Gefrierpunkt und bildet sich auch noch Nebel, kann es passieren, dass alles mit Eiskristallen überzogen ist. Der Blick über die Landschaft lässt alles wie in weisse Watte eingehüllt erscheinen, noch verstärkt durch den Nebel. Nimmt man sich die Zeit näher an Bäume, Büsche, Gräser, Zaunpfähle oder andere Dinge heranzugehen und betrachtet diese im Detail, dann werden die kleinen Eiskristalle deutlich und hinterlassen einen bizarren Eindruck. Alles wirkt starr, aber auch fragil.

Diesen Blick auf die Details habe ich in den hier gezeigten Aufnahmen versucht.

 

 

 

Aufgenommen als RAW wurde die drei Fotos in Darktable entwickelt und mit GIMP bearbeitet (Kontrast- und Helligkeitsanpassung, unscharfmaskiert, Frost-2 bis auf die Blautöne entsättigt)

Frost-1: 300 mm (KB), 1/400, f/5.6, ISO200

Frost-2: 120 mm (KB), 1/400, f/7.1, ISO200

Frost-3: 300 mm (KB), 1/320, f/5.6, ISO320

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